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Glücklich leben: 15 Rezepte für Talent zum Glück

Glücklich leben: 15 Rezepte für Talent zum Glück

Zitat von Konstantin Paustowski über Glück und Verstehen – Glücklich leben
Glücklich leben: Fast jeder Mensch träumt davon. Und fast jeder glaubt gleichzeitig, dass Glück etwas ist, das irgendwann passiert. Später. Wenn etwas Bestimmtes erreicht ist. Wenn sich die Umstände ändern. Wenn endlich Ruhe einkehrt.

Seit Jahrzehnten versuchen Wissenschaftler, dieses Phänomen greifbar zu machen. Sie messen, vergleichen, beobachten, testen. Es gibt unzählige Bücher, Studien, Artikel. Sie alle liefern wertvolle Erkenntnisse. Und doch bleibt bei vielen Menschen am Ende ein merkwürdiges Gefühl zurück:

Ich weiß theoretisch, was gut für mich wäre, aber ich lebe es nicht.

Warum ist das so?

Oft sind wir zu beschäftigt, um den vorgeschlagenen Anleitungen zu folgen, oder wir sind zu skeptisch und glauben nicht an ihre Wirksamkeit.

Dieser Artikel sollte als eine Einladung für Sie sein, Ihr Leben an Stellen zu betrachten, die oft übersehen werden. Denn Glück versteckt sich selten in großen Entscheidungen. Es lebt in kleinen Verschiebungen der Wahrnehmung. In Details, die wir sonst übersehen.

Teil 1. Die Basis: innere Ausrichtung

1. Lächeln Sie häufiger und lenken Sie Ihre Gedanken bewusst auf etwas Positives

Ein echtes Lächeln verändert viel mehr, als wir denken. Nicht das höfliche, antrainierte Lächeln. Sondern ein Lächeln, das von innen kommt. Denn dann ist es ein neurobiologisches Signal.

Unser Gehirn reagiert auf innere Bilder und äußere Muskelbewegungen gleichzeitig. Wenn beides zusammenkommt, verändert sich der innere Zustand messbar.

Die Psychologin Tara Kraft und ihr Team konnten zeigen, dass Menschen, die bewusst positive innere Vorstellungen mit einem Lächeln verbinden, weniger Stress empfinden und emotional stabiler bleiben als jene, die lediglich „freundlich schauen“. Entscheidend ist die innere Beteiligung. Das Gehirn unterscheidet sehr genau zwischen mechanischer Mimik und echter emotionaler Aktivierung.

Auch Forschungen aus der Emotionspsychologie zeigen: Positive mentale Bilder beeinflussen Konzentration, Belastbarkeit und Problemlösefähigkeit. Das Lächeln wirkt dabei wie ein Verstärker, aber nur dann, wenn es mit echter innerer Aufmerksamkeit gekoppelt ist.

2. Öffnen Sie sich der Welt und beginnen Sie, die kleinen Freuden des Lebens wahrzunehmen

Dasselbe gilt für den Blick auf Ihr eigenes Leben. Viele Menschen warten auf äußere Veränderungen: neue Umstände, neue Rollen, neue Anerkennung. Der entscheidende Moment liegt jedoch an einer ganz anderen Stelle. Dort, wo Sie aufhören, sich selbst permanent zu bewerten. Dort, wo Sie beginnen, auch kleine Fortschritte wahrzunehmen.

Innere Anspannung entsteht selten durch das Leben selbst. Sie entsteht durch den Umgang mit sich selbst.

Wenn Schuld, Scham oder alte Ängste unbewusst mitlaufen, kostet jeder Tag Kraft. Diese Spannungen lösen sich nicht durch Druck. Sondern durch eine freundliche Haltung – zuerst sich selbst gegenüber. Und dann gegenüber der Welt.

3. Halten Sie sich mit unwichtigen Dingen nicht auf

Jede Entscheidung ist ein Filter. Und jeder Filter schließt mehr aus, als er zulässt.

Viele Menschen leiden nicht daran, dass sie zu wenig Möglichkeiten haben. Sondern daran, dass sie zu viele offen halten wollen. Projekte, Verpflichtungen, Erwartungen, alte Versprechen – all das frisst Energie.

Doch Glück entsteht nicht durch Mehr. Es entsteht durch Weglassen.

Nicht alles, was möglich ist, ist sinnvoll. Nicht jede Gelegenheit ist eine Chance. Und nicht jedes „Ja“ bringt Sie weiter. Oft ist es genau umgekehrt.

Wenn Sie lernen, bewusst auszuwählen, entstehen Raum, Klarheit, Ruhe und die Fähigkeit, Ihre Kraft auf das zu lenken, was Ihnen wirklich etwas bedeutet.

Deswegen, bevor Sie eine Entscheidung treffen, fragen Sie sich immer:

„Wie wirkt sich diese Entscheidung langfristig auf mein Leben aus?“

Fokus und Entscheidungen: Jedes Ja ist ein Nein zu anderen Möglichkeiten

4. Praktizieren Sie Dankbarkeit

Dankbarkeit ist keine sentimentale Haltung. Sie ist eine kognitive Trainingsform.

Der Psychologe Robert Emmons, einer der weltweit führenden Dankbarkeitsforscher, konnte in mehreren Langzeitstudien zeigen, dass Menschen, die regelmäßig Dankbarkeit praktizieren, nicht nur zufriedener sind, sondern auch weniger depressive Symptome zeigen und emotional widerstandsfähiger werden.

In einem bekannten Experiment schrieben Teilnehmende über mehrere Wochen entweder belastende, neutrale oder dankbare Erlebnisse auf. Die Dankbarkeitsgruppe zeigte eine deutlich höhere Lebenszufriedenheit und eine stabilere emotionale Grundeinstellung.

Interessant ist dabei: Dankbarkeit verändert nicht die Realität. Sie verändert die Gewichtung der Realität. Das Gehirn lernt, Ressourcen wahrzunehmen, statt sich ausschließlich auf Mangel zu fokussieren. Und genau dieser Perspektivwechsel wirkt langfristig.

5. Erkennen Sie Ihre wahren Werte – das eigentliche Fundament

Ein erfülltes Leben entsteht dort, wo äußere Entscheidungen mit inneren Werten übereinstimmen. Werte sind keine moralischen Regeln. Sie sind Hinweise auf das, was Ihre innere Energie nährt.

Das kann Familie sein. Freiheit. Kreativität. Tiefe Gespräche. Körperliche Stärke. Spirituelle Entwicklung. Aufbau von etwas Eigenem. Entscheidend ist: Es muss aus Ihnen heraus entstehen. Nicht aus Erwartung. Nicht aus Pflicht. Nicht aus Anpassung.

Menschen, die im Einklang mit ihren Werten leben, treffen Entscheidungen leichter. Sie verlieren sich weniger. Und sie erleben deutlich weniger innere Zerrissenheit.

Der Schlüssel liegt in ehrlicher Selbstreflexion. Und im Mut, Prioritäten zu setzen.

6. Leben Sie im Einklang mit den eigenen Werten

Glück hat weniger mit äußeren Umständen zu tun, als wir es gern glauben. Es entsteht dort, wo das eigene Leben nicht permanent gegen das innere Koordinatensystem arbeitet.

Viele Menschen sind müde, ohne genau zu wissen warum. Nicht, weil sie zu wenig leisten. Sondern weil sie zu oft Dinge tun, die ihren eigenen Werten widersprechen. Kleine Kompromisse, die sich summieren. Entscheidungen, die rational „vernünftig“ erscheinen, sich innerlich aber falsch anfühlen.

Je öfter Gedanken, Handlungen und Werte in dieselbe Richtung zeigen, desto stabiler wird das innere Gefühl von Stimmigkeit. Dann kostet das Leben weniger Kraft. Dann entsteht Ruhe – selbst in bewegten Phasen.

Dazu gehört auch, Ballast loszulassen. Alte Kränkungen. Unerledigte innere Konflikte. Dinge, die man behält, obwohl sie längst keine Bedeutung mehr haben. Materiell wie emotional.

Wer seine Werte kennt, kann priorisieren. Und wer priorisiert, trifft Entscheidungen klarer. Nicht schneller, dafür aber richtiger.

7. Handeln Sie aus kreativer Freiheit heraus – nicht aus bloßer Funktionalität

Von klein auf lernen wir, zu funktionieren, Erwartungen zu erfüllen, uns anzupassen und Rollen auszufüllen. Vieles davon ist notwendig. Aber nicht alles davon ist lebendig.

Der Unterschied zwischen einem erfüllten und einem erschöpften Leben liegt oft in einer einzigen Frage:

Handle ich gerade aus innerer Überzeugung oder nur aus Notwendigkeit?

Um diese Frage beantworten zu können, braucht es Momente der Stille. Zeit ohne Input. Ohne Meinungen von außen. Ohne Vergleich. Nur Sie und Ihre eigenen Gedanken.

Meditation, Schreiben, Alleinsein, Reisen – all das sind keine Luxuspraktiken. Sie sind Werkzeuge, um wieder Zugang zur eigenen inneren Stimme zu bekommen.

Wenn Sie zurückblicken, werden Sie solche Momente finden. Entscheidungen, die vielleicht schwierig waren, aber sich im Kern richtig angefühlt haben. Genau dort beginnt kreative Freiheit. Und je mehr Raum Sie solchen Entscheidungen geben, desto lebendiger fühlt sich Ihr Leben an.

Kreativität statt Funktionalität: Schreiben, Alleinsein und Meditation als Zugang zur inneren Stimme – glücklich leben

8. Leben Sie im “Hier und Jetzt” und planen Sie häufiger etwas Angenehmes

Viele Menschen leben zeitlich verschoben. Entweder gedanklich in der Vergangenheit oder emotional in der Zukunft. Das Heute wird zur Durchgangsstation.

Wer ständig denkt, früher sei alles besser gewesen, oder hofft, dass irgendwann „endlich“ alles gut wird, verliert den Kontakt zum gegenwärtigen Moment. Und genau dort findet Leben statt.

Glück wartet nicht am Ende einer Entwicklung. Es entsteht im Erleben des Jetzt.

Das bedeutet nicht, auf Planung zu verzichten oder sich nur noch kurzfristigen Vergnügungen hinzugeben. Es bedeutet, den heutigen Tag nicht innerlich abzuwerten. Die Fähigkeit, sich im aktuellen Moment zu verankern, ist trainierbar. Sie entsteht durch Aufmerksamkeit. Durch bewusstes Wahrnehmen dessen, was da ist, statt dessen, was fehlt.

9. „Nähren“ Sie Ihre Sinne mit der richtigen Nahrung

So wie der Körper hochwertige Nahrung braucht, braucht auch der Geist eine bestimmte Qualität von Reizen. Was wir sehen, hören, lesen, berühren – all das formt unsere innere Welt stärker, als wir bewusst wahrnehmen.

Der Umweltpsychologe Roger Ulrich konnte bereits in den 1980er-Jahren zeigen, dass selbst kurze Aufenthalte in natürlicher Umgebung Stress reduzieren und Heilungsprozesse fördern. Spätere Studien bestätigten: Schon zwanzig Minuten in einem Park oder an einem Gewässer senken nachweislich Cortisolwerte.

Auch die Wahrnehmungsforschung belegt, dass Musik, visuelle Eindrücke und soziale Interaktionen direkt auf Stimmung und Selbstregulation wirken. Wer dauerhaft negative oder reizüberflutete Umgebungen konsumiert, erschöpft sein Nervensystem. Wer bewusst auswählt, womit er seine Sinne konfrontiert, stabilisiert sich von innen heraus.

10. Lernen Sie, in den Zustand des Flows zu kommen

Es gibt Momente, in denen Zeit ihre Bedeutung verliert und wenn das „Ich“ leiser wird. Sie sind völlig bei der Sache. Gedanken treten in den Hintergrund. Sie gehen im Tun auf.

Dieser Zustand wird Flow genannt.

Flow ist kein Privileg für Künstler oder Spitzensportler und auch kein mystisches Erlebnis. Er ist gut erforscht.

Der Psychologe Mihály Csíkszentmihályi beschrieb Flow als einen Zustand vollständiger Vertiefung, in dem Selbstzweifel, Zeitgefühl und äußere Ablenkung in den Hintergrund treten. Menschen im Flow berichten von tiefer Zufriedenheit – unabhängig vom Ergebnis der Tätigkeit.

Flow entsteht, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: eine Tätigkeit, die Bedeutung hat; ein Schwierigkeitsgrad, der fordert, ohne zu überfordern; und ungeteilte Aufmerksamkeit. In diesem Zustand arbeitet das Gehirn besonders effizient, Stress tritt zurück, Motivation entsteht von selbst.

Ablenkungen, Multitasking und ständige Unterbrechungen sind die größten Flow-Killer. Wer sich erlauben kann, für eine begrenzte Zeit ganz bei einer Sache zu bleiben, erlebt eine Form von tiefer Zufriedenheit.

Flow, persönlich erlebt

Ich kenne diesen Zustand sehr gut. Und ich erlebe ihn oft.

Flow ist für mich nichts Abstraktes, nichts Theoretisches. Er hat etwas von einer Droge. In seiner Intensität. In seiner Klarheit. In seiner Wirkung.

So wie eine Droge das Erleben verstärkt, verstärkt Flow meine schöpferische Kraft. Gedanken ordnen sich. Verbindungen entstehen mühelos. Das Zeitgefühl verschwindet. Alles Überflüssige tritt zurück.

In diesem Zustand bin ich am glücklichsten.

Wenn ich im Flow arbeite, existieren keine Pausen. Kein Hunger. Kein Durst. Mein Körper tritt zurück. Mein Verstand wird ruhig. Kreativität übernimmt. Es existiert nichts und niemand mehr. Nur ich und etwas Großes, Weites, Unbegrenztes um mich herum.

Mein längster Flow-Zustand dauerte etwa 42 Stunden. Ohne Schlaf.

Auch sonst kann ich weit über 12 Stunden am Stück arbeiten.

In solchen langen Phasen bin ich dankbar für eine bis zwei äußere Unterbrechungen. Heute ist es mein Mann, der mich daran erinnert zu essen, zu trinken oder irgendwann auch zu schlafen. Früher, als ich noch angestellt war, übernahm diese Rolle freiwillig mein damaliger Abteilungsleiter.

Julia Ruppel arbeitet konzentriert im Flow-Zustand am Schreibtisch

Flow fühlt sich nicht wie eine Leistung an. Er fühlt sich wie Stimmigkeit von Körper, Geist und Seele an. Genau deshalb ist er so kostbar.

Und leider so erschöpfend, wenn man ihn nicht respektiert. Flow schenkt Tiefe, Klarheit und Sinn. Aber er braucht einen Rahmen. Er braucht Menschen, die uns zurückholen. Nahrung und Wasser, die unseren Körper versorgen. Pausen, die uns wieder erden.

Doch Flow ist kein Dauerzustand. Und kein Zustand, der auf Knopfdruck reproduzierbar ist. Er lässt sich nicht planen. Aber er lässt sich einladen – durch Fokus, Hingabe und die Bereitschaft, sich selbst für eine Weile zurückzunehmen. Er ist ein wertvolles Geschenk.

Teil 2. Glücklich Leben: Denkweise und Weltwahrnehmung

Wie wir das Leben erleben, hängt weniger von den Umständen ab als von unserer inneren Haltung. Sie entscheidet darüber, ob wir Schmerz oder Freude wahrnehmen. Im zweiten Teil des Artikels betrachten wir, wie unsere Interpretation der Realität unser Gefühl von Glück und Zufriedenheit beeinflusst.

11. Denken Sie Ereignisse aus Ihrer Vergangenheit neu

Vergangene Erlebnisse und viele innere Blockaden sind keine aktuellen Probleme. Sie sind alte Interpretationen. Dennoch wirken sie unbemerkt weiter und haben Macht über uns, weil wir ihnen bis heute viel Bedeutung geben. Bestimmte Erinnerungen tauchen immer wieder auf, oft verbunden mit denselben Gefühlen, denselben Gedanken, denselben Schlussfolgerungen über uns selbst oder das Leben.

Der Psychologe Morty Lefkoe beschreibt einen einfachen, aber wirkungsvollen Ansatz: Nicht das Ereignis selbst verursacht Leid, sondern die Geschichte, die wir uns darüber erzählen. Diese Geschichte fühlt sich wahr an, ist aber nur eine von mehreren möglichen Deutungen.

Wenn Sie ein belastendes Erlebnis aus der Vergangenheit betrachten, können Sie lernen, es neu einzuordnen. Nicht, um es schönzureden. Sondern um zu erkennen, dass Ihre bisherige Interpretation nicht alternativlos ist.

Kognitive Psychologie und moderne Traumaforschung bestätigen: Sobald Menschen erkennen, dass ihre Interpretation nur eine Möglichkeit unter mehreren ist, verliert die Erinnerung einen Teil ihrer emotionalen Macht.

Das bedeutet, dass beide Versionen nebeneinander existieren können. Doch nur eine davon bestimmt Ihre innere Realität. Und diese Wahl liegt bei Ihnen.

Innere Haltung und Interpretation der Realität: Zwei Möglichkeiten, eine Entscheidung – glücklich leben

12. Betrachten Sie alles in Ihrem Leben als eine Möglichkeit zu wachsen – auch negative Ereignisse

Es gibt Menschen, die an Herausforderungen zerbrechen. Und andere, die an denselben Herausforderungen wachsen. Der Unterschied liegt nicht im Ereignis, sondern in der Haltung.

Wer beginnt, auch schwierige Situationen als Entwicklungsmöglichkeiten zu betrachten, verändert seine gesamte Beziehung zum Leben. Kränkungen verlieren ihre zerstörerische Kraft. Rückschläge werden zu Hinweisen. Stress wird zu Energie.

Diese Haltung entsteht nicht über Nacht. Sie ist das Ergebnis bewusster innerer Arbeit. Aber sie wirkt tiefgreifend.

Plötzlich stellt sich nicht mehr die Frage: Warum passiert mir das?
Sondern: Was kann ich daraus lernen?

Ereignisse sind neutral. Bedeutung entsteht erst durch Ihre Interpretation. Und genau dort liegt Ihr Handlungsspielraum.

13. Stellen Sie sich Ihren Ängsten

Angst gehört zum Menschsein. Sie ist keine Schwäche, sondern ein biologisches Alarmsystem. Was unser Leben einschränkt, ist nicht die Angst selbst, sondern die Art, wie wir auf sie reagieren.

Angst zeigt sich in vielen Formen: als Sorge um die Zukunft, als Zweifel an Entscheidungen, als Rückzug oder sogar als Aggression. Sie begleitet uns oft ein Leben lang.

Paradoxerweise wird Angst stärker, wenn wir versuchen, sie zu unterdrücken. Genau an diesem Punkt kehrt sich die innere Logik um.

Wer beginnt, sich seinen Ängsten schrittweise zu nähern, stärkt sein Nervensystem. Kleine Schritte reichen aus. Beobachten. Wahrnehmen. Aushalten. Und feststellen, dass Angst intensiv sein kann, aber nicht unendlich.

Spirituelle Praktiken, Meditation, Yoga oder Spaziergänge an der frischen Luft helfen nicht nur dabei, den eigenen Weg zum Glück zu erkennen, sondern verbessern auch spürbar Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden.

Mut und Freiheit: Nicht die Angst selbst, sondern die Reaktion auf sie entscheidet – glücklich leben

14. Erlauben Sie sich, Fehler zu machen

Der Wunsch, alles richtig zu machen, kostet mehr, als er bringt. Er lähmt Kreativität, blockiert Entwicklung und erzeugt permanenten inneren Druck.

Kein bedeutendes Werk ist ohne Fehler entstanden. Kein Mensch ist gewachsen, ohne zu scheitern. Lernen ist ohne Irrtum nicht möglich.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten Fehler machen, ohne sich dafür innerlich zu verurteilen. Stattdessen würden Sie beobachten, verstehen, anpassen. Was würde sich verändern?

Genau das unterscheidet Menschen, die stagnieren, von denen, die sich weiterentwickeln.

Fehler sind kein Zeichen von Unfähigkeit. Sie sind ein Zeichen von Bewegung.

15. Helfen Sie anderen

Ein erstaunlich verlässlicher Weg zu mehr Zufriedenheit liegt außerhalb des eigenen Ichs.

Menschen, die anderen helfen, erleben mehr Sinn, mehr Verbundenheit, mehr innere Fülle. Der Glücksforscher Shawn Achor beschreibt in The Happiness Advantage, dass sogenannte prosoziale Ausgaben – Zeit, Geld oder Aufmerksamkeit für andere – nachhaltiger zur Zufriedenheit beitragen als Konsum für sich selbst.

Auch Studien aus dem Journal of Happiness Studies zeigen: Menschen, die sich an Situationen erinnern, in denen sie anderen geholfen haben, berichten von höherem Wohlbefinden und größerer emotionaler Verbundenheit.

Das liegt nicht an Moral. Sondern an Biologie und Psychologie. Unser Gehirn ist auf soziale Verbundenheit ausgelegt. Geben aktiviert andere innere Systeme als Nehmen.

Wer anderen etwas Gutes tut, verlässt für einen Moment die eigene innere Schleife. Perspektiven weiten sich. Probleme relativieren sich. Bedeutung entsteht. Und Sinn wirkt tiefer als kurzfristige Freude.

Sinn und Verbindung: Anderen helfen macht glücklich und stärkt zwischenmenschliche Verbundenheit – glücklich leben

Fazit zum Thema „Glücklich leben“

Es gibt keinen einzelnen Faktor, der ein glückliches Leben garantiert. Kein Geheimrezept. Kein Ziel, nach dessen Erreichen alles gut ist.

Glücklich zu leben ist eine Fähigkeit.
Und wie jede Fähigkeit braucht auch diese Pflege. Sie entsteht aus Aufmerksamkeit. Aus innerer Haltung. Aus bewussten Entscheidungen. Aus dem Mut, Verantwortung für die eigene innere Welt zu übernehmen.

Erschöpfung und innere Leere entstehen nicht plötzlich. Sie sind das Ergebnis vieler kleiner Abweichungen. Genauso entstehen Stabilität und Zufriedenheit. Alles beginnt mit der Entscheidung, dem eigenen Leben wieder bewusst zu begegnen.

Die Fähigkeit zum Glück tragen Sie bereits in sich.

Survivorship Bias (Überlebensirrtum) in Coaching und Beratung: Oder warum die meisten Erfolgsstrategien scheitern

Survivorship Bias (Überlebensirrtum) in Coaching und Beratung: Oder warum die meisten Erfolgsstrategien scheitern

Stellen Sie sich vor, Sie stehen auf einem Hügel und blicken auf eine riesige Stadt. Unten in den hell erleuchteten Straßen drängen sich Menschen um ein paar glänzende Paläste.

Auf jedem Palast steht ein Name: “Bestsellerautor”, „Weltstar“, “Multimillionen-Startup”, “gefeierter Unternehmer“. Und alle feiern dort, machen Fotos, lachen.

Aber wissen Sie, was Sie von da oben nicht sehen?

Hinter der Stadt, verborgen im Nebel, erstreckt sich ein stiller, endloser Friedhof. Und da liegen all die Projekte, die es nicht geschafft haben. Tausende Manuskripte, die nie gedruckt wurden. Unternehmen, die nach drei Jahren einfach verschwanden. Coaching-Programme, die am Anfang total gehypt wurden und dann… einfach weg aus den sozialen Medien waren.

Und genau das ist das Problem: Wir sehen immer nur die verdammten Paläste.

Die unsichtbare Mehrheit: ein Spaziergang über den Friedhof gescheiterter Träume

Kennen Sie den Begriff “Survivorship Bias“ oder auf Deutsch der „Überlebensirrtum“?

Das ist wie wenn ein Fotograf nur die Gewinner vom Marathon fotografiert. Man sieht die Siegerpose, das Strahlen, die hochgerissenen Arme. Aber die Hunderten, die unterwegs aufgegeben haben – die sieht man nicht.

Ich erzähle Ihnen von Claudia, einer erfahrener Business-Coachin und einer meiner Kundinnen

Claudias Vorgeschichte: Sie war ständig auf Instagram und hat da Kollegen gesehen, die „sechsstellig“ verdient haben, Bestseller geschrieben haben, in Magazinen zitiert wurden. In ihrer Nische schien es echt nur Erfolgsgeschichten zu geben. Überall strahlende Gesichter, Bühnenauftritte, begeisterte Testimonials.

Aber was Claudia nicht gesehen hat: die ganzen Coaches, die nach einem halben Jahr einfach wieder verschwunden sind, weil sie keine Kunden gefunden haben. Oder die ihre Social-Media-Kanäle stillgelegt haben, weil ihnen das Geld ausgegangen ist.

In den ersten Monaten unserer Zusammenarbeit hat Claudia mehrere Analysen ihrer Nische und Übungen in der Gruppe gemacht. Erst dann hat sie langsam verstanden, was wirklich los war. Sie war nicht „zu langsam“ oder nicht „nicht gut genug“. Sie hatte ihre Situation einfach in einem verzerrten Spiegel betrachtet – einem Spiegel, der nur die Erfolgreichen zeigte und alle anderen ausblendete.

Als sie sich dann bewusst die „Friedhöfe“ ihrer Branche angeschaut hat – verwaiste Websites, verlassene Accounts, gescheiterte Programme – da fiel der Druck Stück für Stück ab. Sie hat gesehen, dass Erfolg kein Massenphänomen ist, sondern ein Zusammenspiel aus familiärer Vorgeschichte, Ressourcen, Können, Timing, Klarheit und ja, auch einer ordentlichen Portion Glück.

In der Gruppe haben wir analysiert, wie viele von den vermeintlich „großen Namen“ längst verschwunden waren. Wie viele ihre Strategie fünfmal gewechselt hatten, bis endlich mal was funktionierte. Und wie viele nie das gehalten haben, was ihre Instagram-Posts versprochen haben.

Schließlich hat sich Claudia neu positioniert. Nicht mehr nach dem, was künstlich glänzt, sondern nach dem, was sie persönlich ausmacht. Sie hat ihren eigenen Erfolg neu definiert, indem sie sich gefragt hat, wie sie mit all dem, was sie gerade zur Verfügung hat – ihren Ressourcen, ihrem Können, ihrem Timing – ihr gewünschtes Ziel erreichen kann.

Für sie war es logischerweise nicht mehr die Reichweite, das sie angestrebt hat, sondern ihre wahre Wirkung als Persönlichkeit und als Expertin.

Sie hat sich auf Ihr vorhandenes Netzwerk fokussiert, eine Strategie festgelegt, mit der sie die Loyalität ihres Netzwerks fördert, und nach ihrem Plan gehandelt. Genau da hat ihr Business angefangen zu wachsen.

Warum ist Ihr Blick vielleicht auch verzerrt?

Mal ganz ehrlich: Hinter jedem erfolgreichen Schriftsteller stehen hundert andere, deren Bücher nie verkauft wurden. Hinter jeder Architektin, die einen Preis gewinnt, stehen Hunderte, die ihre Entwürfe in Schubladen vergraben mussten. Hinter jedem Nobelpreisträger liegen Berge vergessener Forschungsprojekte.

Unser Informationssystem ist so gebaut, dass es nur die Gewinner durchlässt und sich null für die Grabsteine der Gescheiterten interessiert:

  • TV- und Print-Medien brauchen Klicks. Erfolgsgeschichten verkaufen sich, aber das Scheitern nicht. Niemand schreibt eine Schlagzeile: „Weitere 47 Startups sind diese Woche bankrott gegangen“
  • Social Media zeigt Ihnen die Highlights. Die Algorithmen pushen, was gut ankommt, auch wenn es nur dummes Zeug ist. Sie berichten nur über die glänzenden Fassaden und lassen uns glauben, Erfolg sei wahrscheinlicher, als es wirklich ist.
  • Menschen reden nicht gern über ihr Scheitern. Aus Scham, aus Stolz, aus Selbstschutz. Die stillen Gräber bleiben stumm.

Also, Sie sehen nur die Erfolgreichen und ziehen daraus Ihre Schlüsse in Bezug auf sich selbst.

Das ist, als würden Sie durch ein Glas schauen, das nur die Sonnenstrahlen durchlässt und den Regen ausblendet. Schön anzusehen. Wird aber schnell äußerst unangenehm, wenn Sie sich entscheiden, ohne Regenschirm rauszugehen.

Was ist Survivorship Bias (Überlebensirrtum) überhaupt?

Der Survivorship Bias ist ein Denkfehler, bei dem wir aus der Sichtbarkeit der Erfolgreichen falsche Schlüsse ziehen. Weil Erfolge deutlich präsenter sind als Misserfolge, überschätzen wir systematisch die eigenen Erfolgschancen und unterschätzen die Risiken.

Das gefährliche Spiel mit Wahrscheinlichkeiten

Stellen Sie sich vor, Sie planen ein neues Online-Programm. Sie sehen in Ihrer Branche drei große Erfolgsgeschichten:

  • Eine Trainerin, die in sechs Wochen 200 Plätze verkauft.
  • Ein Berater, der seine Masterclass dreimal im Jahr ausverkauft.
  • Eine Mentorin, die inzwischen eine ganze Akademie führt.

Die Versuchung ist groß zu denken: „Das kann ich auch.“

Doch was Sie nicht sehen: Für jede dieser Geschichten gibt es Dutzende Programme, die mit viel Aufwand gestartet wurden und dann nach wenigen Verkäufen wieder eingestellt wurden.

Das heißt nicht, dass Sie kein Risiko eingehen sollen. Es heißt nur: Gehen Sie nicht los, ohne die stillen Gräber gesehen zu haben. Oder anders gesagt: Steigen Sie nicht blind in ein Spiel ein, dessen Regeln Sie nicht kennen. Denn wer nur die Gewinner studiert, lernt nicht, wie man verliert, und noch weniger, wie man das Verlieren vermeidet.

Aber warum kommen manche schneller zum Erfolg als die anderen?

Weil da es etwas gibt, das die Sache noch unfairer macht: Der Matthäus-Effekt.

Der Name kommt aus der Bibel (Matthäus 25,29):

„Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.“

Klingt hart, oder? Aber genau so funktioniert’s oft.

Der Matthäus-Effekt beschreibt, dass Menschen, die bereits Vorteile haben, mit der Zeit immer mehr davon bekommen. Während die, die weniger haben, weiter zurückfallen. Ein sich selbst verstärkender Kreislauf.

In der Praxis sieht das so aus:

Die Trainerin, die „in sechs Wochen 200 Plätze verkauft“ hat, hatte vielleicht schon:

  • Eine bestehende E-Mail-Liste mit 10.000 Abonnenten
  • Ein Netzwerk aus ihrer vorherigen Karriere
  • Finanzielle Ressourcen für professionelles Marketing
  • Ein Team, das ihr den Rücken freihält

Der Berater mit der ausverkauften Masterclass – vielleicht:

  • Kommt aus einer unternehmerischen Familie
  • Hatte Zugang zu Mentoren und Türöffnern
  • Konnte sich zwei Jahre „Anlaufzeit“ leisten
  • Wurde von jemandem mit großer Reichweite empfohlen

Die Mentorin mit der Akademie – möglicherweise:

  • Hat jahrelang in einer Agentur gearbeitet und Prozesse gelernt
  • Hatte bereits Bekanntheit aus einem anderen Bereich
  • Konnte in Vorleistung gehen, ohne Existenzangst
Eine einzelne Person steht im Scheinwerferlicht auf einer Bühne, während im Hintergrund unscharfe Silhouetten stehen – ein visuelles Symbol für Survivorship Bias, Überlebensirrtum, den Matthäus-Effekt, verzerrte Erfolgschancen und unsichtbares Scheitern.

Und das ist der entscheidende Punkt: Diese Vorteile sind meistens unsichtbar. Sie stehen nicht im Instagram-Post. Sie werden nicht in der Erfolgsgeschichte erwähnt, aber sie machen den entscheidenden Unterschied.

In der Wirtschaft vermehren Reiche ihr Vermögen schneller, weil sie Kapital und Zugang zu besseren Chancen haben. In der Wissenschaft werden bekannte Forschende häufiger zitiert, was ihre Bekanntheit weiter steigert. In der Bildung bekommen Kinder aus gebildeten Familien oft mehr Förderung, Unterstützung und Netzwerke und ziehen dadurch anderen davon.

Zwei Beispiele aus meiner Praxis:

Ich hatte einen Kunden, der sein Leben der Kunst gewidmet hat. Sein Traum: als großer Künstler wahrgenommen zu werden. Seine Werke verkaufen sich nicht gut, trotzdem ist er wohlhabend. Warum? Er kommt aus einer vermögenden Familie, hat Beziehungen und kann sich große Ausgaben für Ausstellungen und Markenbildung leisten. Er kann seinem Traum ohne existenzielle Ängste folgen.

Eine andere Kundin prahlte in Social Media damit, als alleinerziehende Mutter in drei Monaten über 400.000 Follower aufgebaut zu haben – „nur mit ihrer Methode“. Im persönlichen Gespräch brach sie in Tränen aus: Seit vier Monaten hatte sie nichts mehr verkauft. Die Wahrheit ist, Sie hatte nach der Trennung von Ihrem wohlhabenden Ehemann Zugang zu viel Geld, investierte massiv in Werbung und aggressive Marketing-Strategien. Vor 3 Jahren funktionierte das noch. Heute nicht mehr. Heute baut sie ihre Positionierung komplett neu auf, diesmal auf Vertrauen statt auf Tricks.

Was beide Geschichten zeigen: Die unsichtbaren Startbedingungen – finanzielles Polster, Netzwerke, Ressourcen – werden in den öffentlichen Erfolgsgeschichten systematisch ausgeblendet. Erst im persönlichen Gespräch, in der 1:1-Beratung, werden sie sichtbar.

Deswegen, bevor Sie beginnen, sich selbst mit einer “über Nacht” oder “mit Leichtigkeit” erfolgreichen Person zu vergleichen, fragen sie sich:

  • Was hatte vielleicht diese Person schon, bevor sie „losgelegt“ hat?
  • Welche unsichtbaren Ressourcen spielen hier eine Rolle?
  • Mit welchen Startbedingungen arbeite ICH eigentlich?

Der Matthäus-Effekt ist kein Naturgesetz, aber ein mächtiger Mechanismus. Er erklärt, warum Erfolg selten fair verteilt ist und warum frühe oder strukturelle Vorteile so entscheidend sind.

Das heißt nicht, dass Sie kein Risiko eingehen sollen. Es heißt nur: Gehen Sie nicht los, ohne die stillen Gräber gesehen zu haben. Oder anders gesagt: Steigen Sie nicht blind in ein Spiel ein, dessen Regeln Sie nicht kennen. Denn wer nur die Gewinner studiert, lernt nicht, wie man verliert, und noch weniger, wie man das Verlieren vermeidet.

Und besuchen Sie unbedingt den Friedhof der gescheiterten Träume

Ich möchte Ihnen eine ungewöhnliche Übung vorschlagen: Wenn Sie das nächste Mal eine Erfolgsgeschichte in Ihrer Branche sehen, besuchen Sie zuerst die „Friedhöfe“ Ihrer Branche.

Vielleicht kennen Sie selbst noch diese Coaches, die vor zwei Jahren aktiv waren, 6-7-stellig verkauft haben und heute komplett verschwunden sind.

Deswegen: 

1. Analysieren Sie, warum bestimmte Projekte gescheitert sind.

Gehen Sie auf alten Websites von diesen Coaches über das Internet Archive (archive.org) und sehen Sie, wie Programme aufgebaut waren, welche Versprechen gemacht wurden, welche Botschaften nicht zündeten.

Suchen Sie nach Mustern. Oft merkt man erst rückblickend, dass sie viel zu viel versprochen, zu breit gearbeitet oder schlicht keine klare Richtung hatten.

Das ist wie alte Urlaubsfotos anschauen: Man sieht Dinge, die man damals gar nicht wahrgenommen hat.

2. Studieren Sie die Geschichten der Firmen, die verschwanden.

Viele verschwinden nicht mit einem Knall, sondern mit einem Ausatmen.

Die Beiträge werden seltener, dann neutraler, dann verstummt der Kanal.

Wenn Sie ein bisschen suchen, finden Sie die richtigen Spuren: Kommentare unter alten Posts, Bewertungen zu Kursen, Ankündigungen, die nie umgesetzt wurden.

Manchmal reicht schon ein kleiner Satz wie „Ich brauche eine kurze Pause“, um zu verstehen, wohin die Reise ging.

So eine Expertin kenne ich persönlich. Ich habe bei ihr ein paar Kurse gekauft, unter anderen zwei VIP-Kurse mit ihrer persönlichen Unterstützung, die alle auch ziemlich gut waren. Jetzt ist sie ganz verschwunden. Ihre Website gibt es gar nicht mehr. Ihre Social Media Profile sind zwar noch da, aber sie verstummen schon seit 2 Jahren. Und sie reagiert nicht auf die Nachrichten, obwohl sie gelesen werden.

3. Hören Sie den Stimmen derer zu, die es versucht und verloren haben.

Es gibt Menschen, die offen darüber sprechen, warum sie aufgehört haben.

Ein Podcast-Interview, ein LinkedIn-Post, manchmal sogar eine kleine Randbemerkung in einem Newsletter.

Diese Stimmen sind Gold wert. Die erzählen nicht von „sechsstellig“, sondern davon, wie sich monatelange Unsicherheit anfühlt. Oder wie es ist, wenn man morgens aufsteht und merkt: Das geht so nicht mehr.

Fragen Sie Kollegen, die aufgehört haben: Was war der Punkt, an dem du wusstest, dass es vorbei ist?

4. Danach stellen Sie sich selbst ein paar kluge Fragen:

  • Wo wiederhole ich Muster, die bei anderen schon nicht funktioniert haben?
  • Was tue ich nur, weil es „alle so machen“?
  • Was würde ich tun, wenn ich nicht ständig Angst hätte, etwas zu verpassen?

Ja, es ist ein trauriger Spaziergang. Aber ein gesunder. Er schützt Sie davor, sich mit anderen zu vergleichen, falsche Schlüsse zu ziehen, sich von Glanz blenden zu lassen und Ihre Erfolgschancen zu überschätzen.

Die Moral von der Geschicht‘

Erfolgsgeschichten sind wie Leuchttürme – sie strahlen hell, damit wir sie sehen.

Doch wer wirklich navigieren will, muss auch die unsichtbaren Riffe kennen.

Der Survivorship Bias ist kein Aufruf, weniger zu träumen. Er ist eine Einladung, klüger zu träumen. Denn nur, wenn Sie sowohl die Paläste als auch die Friedhöfe kennen, können Sie einen Weg wählen, der wirklich zu Ihnen passt.

Und vielleicht, nur vielleicht, selbst eines Tages ein Leuchtturm sein.

Diesen Denkfehler machen selbst Top-Berater gerade dann, wenn plötzlich alles wie von selbst läuft

Diesen Denkfehler machen selbst Top-Berater gerade dann, wenn plötzlich alles wie von selbst läuft

Einer der größten Denkfehler entsteht oft genau dann, wenn ein einmaliger Erfolg als Beweis für eigene Methode verkauft wird

Gestern, nach meinem morgendlichen Walking, traf ich Jürgen – meinen Nachbarn. Jürgen ist seit über 20 Jahren Unternehmensberater.

„Hallo Jürgen“, sagte ich. „Lange nicht gesehen. Wie geht’s dir?“

Er seufzte. „Ach, das Übliche. Firmen retten, endlose Anträge, Behörden, Druck von allen Seiten… Stress eben.“ Er lächelte müde. „Und bei dir?“

„Da, wo du gerade von Rettung sprichst… ich musste beim Walking an eine Kundin denken. Anfang des Jahres hatte sie einen riesigen Erfolg mit ihrem Online-Kurs – sechsstellig verkauft.“

„Beeindruckend!“, Jürgen riss die Augen auf. „Dann Gratulation an euch beide!“

Ich schüttelte den Kopf. „Nein, das war nicht mein Verdienst. Aber ich darf jetzt entscheiden, ob ich ihren Schlamassel aufräume. Denn nach zwei weiteren Launches war das ganze Geld weg. Niemand kaufte mehr. Sie dachte, sie hätte das System gefunden, aber es war nur dieser eine Moment. Jetzt ist sie völlig frustriert.“

Jürgen nickte nachdenklich. „Nicht gut. A ja, sowas kenne ich auch.“

Und dann erzählte er mir von einem Projekt, das er fast als „Wunder“ verkaufte.

Ein mittelständisches Unternehmen hatte rote Zahlen geschrieben, die Stimmung war im Keller, und die Geschäftsführung suchte verzweifelt nach einem Weg raus. Jürgen wurde engagiert. Er analysierte Prozesse, machte Workshops, hielt motivierende Vorträge. Drei Monate später: schwarze Zahlen. „Das war mein Meisterstück“, sagte er stolz.

Doch ein halbes Jahr danach sah die Bilanz nüchterner aus: Die Gewinne waren wieder geschrumpft. Die Euphorie verpuffte.

Jürgen war ratlos. Hatte er es überbewertet?

Der Tanz der Pendeluhr

Manchmal gleichen unsere Ergebnisse einem Pendel.

Es schlägt weit nach links aus – Krise, Chaos, Verluste.

Dann wieder nach rechts – Erfolg, Begeisterung, Aufwind.

Doch die Natur des Pendels ist nicht am Rand zu verharren, sondern zurückschwingen.

Viele Experten interpretieren genau diesen Rückweg zur Mitte als direkte Wirkung ihrer Maßnahmen.

In Wahrheit ist es oft nur Statistik: Extreme Zustände haben die Tendenz, sich von selbst wieder dem Durchschnitt anzunähern.

Pendeluhr als Symbol für einen Marketing-Fehler: Extreme Ausschläge, die wieder zur Mitte zurückkehren.

Der Denkfehler im Business

Dieser Effekt hat einen Namen:

Regression zur Mitte

Klingt nach Statistikvorlesung, wirkt aber mitten im Geschäftsleben.

Z.B. dann, wenn ein Team besonders schlecht performt und nach einem Coaching plötzlich besser abschneidet, liegt die Versuchung nahe: Das Coaching war der Schlüssel.

Aber möglicherweise wäre die Leistung ohnehin gestiegen, weil extreme Tiefpunkte selten lange anhalten.

Das Gleiche gilt für überragende Erfolge.

Hatten Sie die beste Verkaufswoche aller Zeiten? Wahrscheinlich folgt bald wieder eine normale Woche. Nicht, weil Ihr Team schlechter wird, sondern weil Spitzenwerte sich nicht dauerhaft halten lassen.

Dieser Denkfehler zieht sich durch fast alle Branchen. Ein einzelner Pitch, der erfolgreich war. Eine Marketing-Kampagne, die viral ging. Ein Kunde, der plötzlich zehnmal mehr kaufte als alle anderen.

Das Problem: Die Experten verwechseln Glückstreffer mit Systemen. Genau das ist der tückische Denkfehler, der langfristig teuer wird.

Die Gefahr falscher Schlüsse

Für Coaches, Berater, Trainer und andere Experten ist das besonders heikel. Wer jede Verbesserung sofort auf seine Methode zurückführt, riskiert zwei Dinge:

  • Überschätzung der eigenen Wirkung.
    Man glaubt, mehr Einfluss zu haben, als es tatsächlich der Fall ist.
  • Fehlende Nachhaltigkeit.
    Statt die wirklichen Muster und Strukturen zu verändern, verkauft man kurzfristige Schwankungen als Erfolge.

Und das Schlimmste daran: Kunden bemerken es irgendwann mal. Wer ihnen kurzfristige Peaks als System verkauft, verliert Vertrauen. Nichts ist für die Glaubwürdigkeit schädlicher, als wenn Versprechen nicht reproduzierbar sind.

Ein Beispiel aus dem Marketing-Alltag

Genau dieser Denkfehler zeigte sich bei meiner Kundin. Sie hatte eine einzige Aktion umgesetzt und erzielte damit überraschend hohe Umsätze.

Euphorisch verkaufte sie danach ihren Kurs mit dem Versprechen: „Ich weiß, wie es geht. Macht es einfach nach!“ Viele glaubten ihr und kauften.

Doch schon beim zweiten Versuch brachen die Zahlen ein. Beim dritten Launch kaufte kaum noch jemand. Aus den einstigen Gewinnen wurden Verluste. Die Verwaltungskosten liefen weiter, aber das Geld dafür fehlte.

Noch schwerer wog: Ihre Gefolgschaft schrumpfte um zwei Drittel. Das Vertrauen war dahin.

Warum so viel Pech?

Der Grund war simpel: Ihr Erfolg war kein Ergebnis eines wiederholbaren Systems, sondern nur ein Ausreißer. Vielleicht Glück, vielleicht günstige Umstände, aber kein Beweis für eine Methode.

Ihre Tipps funktionierten bei wenigen, bei den meisten nicht. Alle, die auf ihr Versprechen vertraut hatten, fühlten sich enttäuscht. Und kein Mensch möchte das Gefühl haben, leeren Versprechen hinterhergelaufen zu sein.

Dieser Mechanismus betrifft nicht nur Einzelpersonen. Ganze Unternehmen bauen ihre Markenstory auf einem einzigen Erfolg auf und stürzen ab, wenn sich dieser nicht wiederholen lässt. Auch das ist ein typischer Denkfehler, der vermeidbar wäre, wenn man sich nicht von Ausreißern blenden ließe.

Warum ist dieser Denkfehler so verführerisch

  • Ego und Stolz: Einmal oben zu stehen, fühlt sich berauschend an. Niemand möchte zugeben, dass es nur Glück war.
  • Verkaufslogik: Ein Erfolg verkauft sich besser als eine nüchterne Analyse. Wer einen Kurs oder ein Coaching vermarktet, will Beweise zeigen, auch wenn es keine sind.
  • Bestätigungsfehler: Menschen suchen nach Anzeichen, dass sie recht haben. Ein Peak reicht, um alle Zweifel potenzieller Käufer auszublenden.
  • Soziale Beweise: „Schau, bei mir hat’s funktioniert!“ wirkt überzeugender als statistische Erklärungen.

Genau deshalb ist der Denkfehler „Regression zur Mitte“ so hartnäckig: Er spielt mit Emotionen, nicht mit Fakten.

Typische Situationen, in denen die „Regression zur Mitte“ zuschlägt

  • Im Coaching: Ein Klient macht nach dem ersten Gespräch Fortschritte. Der Coach feiert seine Methode – dabei wäre die Veränderung vielleicht ohnehin passiert.
  • In der Beratung: Ein Projekt läuft außergewöhnlich gut. Der Berater schreibt es seinen Workshops zu, obwohl viele externe Faktoren mitspielten.
  • Im Vertrieb: Ein Großkunde schließt spontan einen riesigen Auftrag ab. Das Team glaubt, die neue Verkaufsmethode sei der Grund, bis der nächste Pitch floppt.
  • Im Marketing: Eine Kampagne geht viral. Die Abteilung hält das für wiederholbar und scheitert beim nächsten Versuch.
  • Bei Vorträgen und Keynotes: Eine Rede läuft außergewöhnlich gut, das Publikum ist begeistert. Beim nächsten Mal erwartet der Speaker denselben Effekt und ist enttäuscht, wenn die Stimmung nüchterner ausfällt.
  • In Social Media: Ein Post oder Reel geht viral. Der Experte denkt: „Jetzt habe ich den Algorithmus geknackt!“ Doch schon beim nächsten Beitrag ist die Reichweite wieder durchschnittlich.
  • Bei Preisaktionen: Ein Rabatt bringt kurzfristig viele Verkäufe. Das Team schließt daraus, das Modell funktioniere dauerhaft. Doch beim nächsten Angebot reagieren kaum noch Kunden.
  • Im Recruiting: Eine neue Mitarbeiterin liefert von Anfang an Spitzenleistungen. Schnell wird angenommen, das sei ihr Normalniveau. Doch mit der Zeit pendeln sich die Ergebnisse auf ein solides, aber weniger spektakuläres Maß ein.

Der hohe Preis dieses Fehlers – oft gleich mehrfach

  • Enttäuschte Kunden: Sie glauben an ein Versprechen, das sich nicht wiederholt. Erst voller Hoffnung, dann bitter enttäuscht. Die Folge: Frust, Beschwerden, negative Kommentare. Aus Fans werden Kritiker, deren Stimmen lange sichtbar bleiben.
  • Reputationsschäden: Wer einmal als „Glückstreffer-Experte“ abgestempelt wird, verliert seine Autorität. Vertrauen ist schnell verspielt, und es dauert Jahre, es wieder aufzubauen. In vielen Branchen reicht ein einziger missglückter Hype, um dauerhaft im Ruf zu stehen, nicht seriös zu arbeiten.
  • Fehlallokation von Ressourcen: Zeit, Energie und Geld fließen in Methoden, die gar nicht wirken. Statt ein stabiles Fundament zu schaffen, werden Budgets in Kopien eines Zufalls investiert. Am Ende fehlt die Kraft, in echte Strukturen und wiederholbare Prozesse zu investieren.
  • Verpasste Chancen: Wer Illusionen hinterherläuft, übersieht die realen Möglichkeiten. Man feiert den Ausnahme-Erfolg, während die wirklichen Potenziale ungenutzt bleiben.
  • Innere Erschöpfung: Auch die psychische Rechnung ist hoch: Wer wiederholt gegen die Realität ankämpft, verliert Motivation, Selbstvertrauen und manchmal auch seine Leidenschaft für die eigene Arbeit.
  • Finanzielle Risiken: Ein einzelner Glückstreffer kann einen sechsstelligen Umsatz bringen, aber die Folgekosten eines gescheiterten Systems übersteigen das schnell. Mitarbeiter müssen bezahlt, Kampagnen finanziert, Verpflichtungen erfüllt werden. Ohne solide Basis können selbst große Erfolge Unternehmen ruinieren.

Fazit

Ich habe mich im Fall oben bewusst dagegen entschieden, die Kundin zu begleiten. Ich bin keine Spezialistin für die Wiederherstellung eines beschädigten Rufs – dafür gibt es andere Experten, die genau darauf spezialisiert sind.

Was ich ihr aber sagen musste: Dieser Weg verlangt Geduld. Sehr viel Geduld. Und ein unerschütterliches Vertrauen in sich selbst und ihr Business. Wer das nicht aufbringt, verschwindet oft von der Oberfläche. So wie viele ehemals große, millionenschwere Experten.

In meinem eigenen Umfeld habe ich einige erlebt. Menschen, die ich geschätzt habe. Ihre Stärken, ihre Sichtweisen, die gemeinsame Zeit in Netzwerken – all das fehlt.

Sie sind einfach verschwunden. Ihre Experten-Chats existieren noch, halbwegs selbsttragend durch die Community. Doch die Stimmen der Autoren dieser Chats, die einst inspirierten und führten, sind verstummt.

Mein Rat:

  • Beobachten Sie Ihre Entwicklung genau. Analysieren Sie Zahlen und Fakten nüchtern – langfristig, nicht nur quartalsweise. Ein einziges Hoch ist noch kein Beweis, nur Trends über längere Zeiträume sind ehrlich.
  • Differenzieren Sie zwischen echten Maßnahmen und bloßen Schwankungen. Fragen Sie sich immer: Hätte sich das Ergebnis auch ohne mein Zutun wahrscheinlich verbessert?
  • Und justieren Sie die Erwartungen Ihrer Kunden: Erklären Sie, dass Erfolge nicht linear wachsen, sondern schwanken. Das schafft Vertrauen, weil Sie realistisch bleiben.
  • Greifen Sie rechtzeitig ein, bevor Ihr Business nicht nur ins Wanken gerät, sondern am Ende alles ruiniert.
Zitat von Julia Ruppel: Nicht der Misserfolg ruiniert Ihr Business, sondern die Illusion, ein zufälliger Ausreißer sei ein System. Marketingexpertin und Mentorin im Porträt.

Eigenverantwortung im Business: Warum Sie niemanden brauchen, um endlich anzufangen

Eigenverantwortung im Business: Warum Sie niemanden brauchen, um endlich anzufangen

„Heute bin ich den Hill zweimal ohne Pause gejoggt“

Diese Zeile stammt aus einem Brief. Ein Vater schreibt ihn an seinen Sohn – aus dem Gefängnis. Diesen Brief habe ich heute gelesen. Er gehört zu den Klassikern des Copywritings und stammt von Gary Halbert.

Gary Halbert war einer der einflussreichsten Werbetexter des 20. Jahrhunderts. Seine Briefe – die sogenannten „Boron Letters“ – schrieb er aus dem Gefängnis in Boron, Kalifornien, wo er wegen Steuervergehen einsaß. Statt zu jammern, nutzte er die Zeit, um seinem Sohn beizubringen, wie man lebt, schreibt, verkauft und denkt.

Mich hat dieser Brief fasziniert. Deswegen schreibe ich heute diesen Artikel.

Auf den ersten Blick geht es um Fitness, Ernährung, Disziplin. Aber eigentlich geht es um etwas viel Wichtigeres: Verantwortung übernehmen. Für sich selbst. Für das eigene Leben. Für das, was man angeblich will.

Wenn Sie diesen Artikel lesen, dann stehen Sie möglicherweise an einem Wendepunkt.
→ Sie haben Erfahrung. Wissen. Ein Talent, das anderen hilft. Und doch: Es klemmt.

Vielleicht im Marketing. Vielleicht im Verkauf. Vielleicht schon beim Entscheiden.

Dann ist dieser Text genau der richtige für Sie.

Was Eigenverantwortung im Alltag bedeutet und warum sie schwerer ist als gedacht

Eigenverantwortung klingt gut. Reif. Stark. Autonom. Doch sobald es unbequem wird, geben wir sie heimlich ab:

  • Wir warten, dass jemand uns bestätigt.
  • Wir machen andere verantwortlich für unser Zögern.
  • Wir hoffen, dass irgendjemand uns rettet, an die Hand nimmt oder zumindest einen Plan ausdruckt.

In Wahrheit bedeutet Eigenverantwortung: Kein Mensch bringt Ihnen das Gemüse. Kein Mensch schreibt Ihre Posts. Kein Mensch verkauft für Sie. Das müssen Sie allein tun.

Und das tut weh. Weil es uns zwingt, uns zu entscheiden. Und weil es niemanden mehr gibt, den wir für unser Nichtstun verantwortlich machen können.

Die Eigenverantwortung beginnt mit kleinen, aber unbequemen Wahrheiten

In dem oben genannten Brief steht:

„Wenn du dich auf andere verlässt, gibst du dir selbst einen Vorwand fürs Scheitern.“

Der Satz wirkt banal. Ist aber brutal ehrlich. Denn wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, merken wir: Wir richten uns oft absichtlich so ein, dass wir nicht ins Handeln kommen.

  • „Ich wollte posten, aber mein Designer war nicht erreichbar.“
  • „Ich wollte meine Webseite fertig machen, aber die Texte fehlen noch.“
  • „Ich will verkaufen, aber mein Angebot ist noch nicht ganz rund.“

Die Wahrheit?

Nein, Sie wollten nicht. Sie haben sich gewünscht, dass etwas passiert.

Wenn Sie wollen, können Sie sofort loslegen. Auch ohne Designer. Auch ohne perfekte Texte. Auch ohne runde Angebote. Auch wenn es am Ende nicht klappt.

Was uns wirklich abhält: Die Angst, allein zu scheitern

Viele Selbstständige verstecken ihr Zögern hinter Strukturen:

  • „Ich brauche erst Klarheit.“
  • „Ich will nichts überstürzen.“
  • „Ich möchte professionell auftreten.“

Doch all das sind meist Tarnworte für eine einfache Wahrheit:

Ich will mich nicht blamieren. Ich will nicht scheitern. Und wenn doch, dann möchte ich sagen können: Es lag nicht an mir.

Eigenverantwortung bedeutet: Sie können sich nicht mehr rausreden.

Wenn Sie fallen, war es Ihre Entscheidung. Und genau deshalb fühlt sie sich so beängstigend an.

Aber hier kommt die zweite, gute Seite:
Sie dürfen sich auch Ihre Erfolge selbst zuschreiben.

Eigenverantwortung ist der stille Bruder des Erfolgs

Es ist kein Zufall, dass viele sehr erfolgreiche Menschen sagen:

„Ich habe es mir selbst beigebracht.“

Denn sie haben früh genug begriffen: Warten bringt nichts. Niemand kommt.

Wer Eigenverantwortung lernt, lernt schneller. Scheitert schneller. Und steht schneller wieder auf.

Er oder sie sucht keine Erlaubnis.
Kein „grünes Licht“.
Kein Schulterklopfen.

Die größten Feinde der Eigenverantwortung – Gutmeinende Menschen.

Der Sohn in den „Boron Letters“ schreibt:

„Sobald man jemandem erzählt, dass man Geld verdienen will, kommen sofort die Zweifler. „Das geht nicht“, „Das ist zu riskant“, „Dafür braucht man Kontakte.““

Oft sind es Menschen, die uns lieben: Eltern, Partner, Kollegen, Freunde.

Aber ihre „Vorsicht“ ist keine Hilfe. Sondern eine Projektionsfläche ihrer eigenen Ängste.

Sie erinnern sich an das, was sie selbst nicht getan haben. Und wollen uns davor bewahren, das zu erleben, was sie verdrängt haben.

Und Eigenverantwortung bedeutet: Sie entscheiden trotzdem.

Warum gehört Wiederholung dazu?

In den „Boron Letters“ wiederholt der Vater sich oft. Immer wieder dieselben Tipps. Dieselben Hinweise.

Warum?

Weil Eigenverantwortung nicht einmal passiert. Sie wird trainiert.

Wie ein Muskel. Täglich. In kleinen Entscheidungen:

  • Schreiben Sie heute den Text oder denken Sie noch drei Tage darüber nach?
  • Posten Sie das Reel oder suchen Sie nochmal ein besseres Licht?
  • Fragen Sie endlich nach dem Preis oder hoffen Sie, dass der Kunde von selbst erkennt, wie viel Sie wert sind?

Wiederholung baut Widerstandskraft.

Ein Vorschlag: Ersetzen Sie „Ich kann nicht“ durch „Ich entscheide mich dagegen.“

Denn das ist der wahre Kern von Eigenverantwortung.

„Ich kann gerade nicht posten“ wird zu:
„Ich entscheide mich, heute nicht sichtbar zu sein.“

„Ich kann mich noch nicht festlegen“ wird zu:
„Ich entscheide mich, weiter im Nebel zu verweilen.“

„Ich brauche noch mehr Informationen“ wird zu:
„Ich entscheide mich, den nächsten Schritt aufzuschieben.“

Merken Sie den Unterschied?

Plötzlich liegt die Macht wieder bei Ihnen.

Ein letztes Wort und ein kleiner Test

Vielleicht ist dieser Text unbequem. Vielleicht sogar ein bisschen wütend.

Das ist gut. Denn genau da beginnt Eigenverantwortung: Wenn wir uns nicht mehr wohl fühlen mit unseren Ausreden.

Ein kleiner Selbsttest für heute:

  • Was schieben Sie gerade vor sich her?
  • Was wäre die ehrlichste Begründung dafür?
  • Was würde passieren, wenn Sie es einfach täten?

Halten Sie das schriftlich fest.
Es hilft Ihnen, Ihre Gedanken zu ordnen und schneller zu erkennen, worauf es wirklich ankommt.

Ich wünsche Ihnen kluge Strategien, mehr zahlende Kunden und mehr Freiheit in Ihrem Expertenbusiness!

Kunden, die „Ja, aber…“ sagen: Wie Sie psychologische Spiele in Kundengesprächen erkennen

Kunden, die „Ja, aber…“ sagen: Wie Sie psychologische Spiele in Kundengesprächen erkennen

Warum manche Gespräche ins Leere laufen und was das mit Ihnen zu tun hat

Stellen Sie sich folgende Szene vor:
Sie haben gerade ein Beratungsgespräch.

Jemand erzählt Ihnen von seinem Leid und auf jeden Lösungsvorschlag von Ihnen antwortet er mit einem „Ja, aber …“.

Oder er verweist ständig auf seine schwere Kindheit, seine „dunkle Seite“ oder seine angebliche Unfähigkeit, sich zu verändern.

Oder er vergisst Termine, wirkt verwirrt, stellt sich dumm, obwohl Sie wissen: Diese Person ist alles andere als dumm.

Was da passiert, ist kein Zufall. Es sind psychologische Spiele – ein Begriff, den der Psychiater Eric Berne in seinem bahnbrechenden Werk „Spiele der Erwachsenen“ (Originaltitel: Games People Play) * geprägt hat.

Berne beschreibt darin typische Kommunikationsmuster, die nach außen harmlos wirken, aber tiefgreifende, meist unbewusste psychologische Motive bedienen: Schuld abwälzen, Verantwortung vermeiden, Kontrolle gewinnen. Ohne direkt zu konfrontieren.

Klingt nach Theorie? Ist aber Alltag – im Privatleben wie im Business.

Wenn Kunden spielen: Wie sich Verantwortungslosigkeit in Verkaufsgesprächen zeigt

Wer psychologische Spiele einmal erkennt, sieht sie überall. Auch (und gerade) im beruflichen Kontext.

Viele Coaches, Berater, Therapeuten und andere Dienstleister erleben es täglich: Sie geben sich Mühe, bringen Lösungen ins Gespräch. Doch am Ende bleibt alles, wie es war. Nicht, weil Sie schlecht beraten hätten. Sondern, weil Ihr Gegenüber gar keine Entscheidung treffen wollte.

Hier sind drei typische Spielarten und wie Sie sie in Kundengesprächen erkennen.

1. Das „Ja, aber…“-Spiel im Verkaufsgespräch

→ „Ihre Methode klingt super… aber ich weiß nicht, ob ich dafür die Zeit habe.“
→ „Ich hab schon so viel probiert… aber bei mir wirkt sowas einfach nicht.“
→ „Ich finde Ihre Arbeit sehr spannend… aber ich glaube, ich bin noch nicht so weit.“

Was passiert hier wirklich?

Der/die Interessent/in sucht nach Gründen, die Entscheidung zu verschieben, ohne das direkt zuzugeben. Statt klar “Nein” zu sagen, wird eine Endlosschleife aus „Ja, aber…“ erzeugt, in der Sie die Rolle des Problemlösers übernehmen und am Ende erschöpft dastehen, ohne Auftrag.

💡 Ihre neue Strategie:

Steigen Sie früh aus dem Spiel aus.

Sagen Sie zum Beispiel:

„Ich merke, dass es für Sie Gründe gibt, sich nicht zu entscheiden, und das ist okay. Aber dann lassen Sie uns das klar benennen, statt uns im Kreis zu drehen.“

Oder, je nach Ton:

„Wissen Sie, was ich interessant finde? Dass Sie bei jedem Ja sofort ein Aber haben. Vielleicht ist es gar nicht das Angebot, sondern Ihre Angst vor Veränderung.“

2. Das „Holzbein“ im Beratungskontext

„Ich würde ja gern etwas ändern, aber ich hab halt dieses Trauma.“
„Ich hab das Gefühl, ich bin einfach zu alt / zu chaotisch / zu kaputt, um noch was aus meinem Business zu machen.“
„Meine Zielgruppe versteht halt meine Arbeit nicht – die ist einfach nicht bereit.“

Was passiert hier wirklich?

Ihr Gegenüber stellt seine Einschränkungen als unüberwindbare Fakten dar. So schützt er sich davor, Verantwortung für sein Wachstum zu übernehmen und zwingt Sie (unbewusst), ihn zu beweisen, dass er doch nicht so verloren ist.

💡 Ihre neue Strategie:

Statt zu motivieren oder zu überzeugen, spiegeln Sie die Dynamik.

Das klingt so, als hätten Sie sich schon entschieden, dass es für Sie keine Lösung gibt. Möchten Sie das gerade einfach nur laut aussprechen, oder suchen Sie tatsächlich einen Weg heraus?“

Oder:

„Wenn Sie sich selbst für ungeeignet halten, kann ich Ihnen nichts verkaufen. Meine Arbeit braucht keine Perfektion, aber Bereitschaft.“

3. Das „Ich bin halt dumm“-Spiel bei der Zusammenarbeit

„Oh, das mit dem Onboarding hab ich überlesen – ich bin so verplant.“
„Ich hab den Zoom-Link irgendwie nicht gefunden – Technik ist echt nicht meins.“
„Ich bin halt so jemand, der dauernd was vergisst. Sie werden mich da öfter erinnern müssen.“

Was passiert hier wirklich?

Ihr Kunde inszeniert sich als unorganisiert oder unfähig, um spätere Verantwortung von sich zu weisen.
Oft charmant, oft witzig, aber mit Folgen: Sie tragen die Last.

💡 Ihre neue Strategie:

Lassen Sie das Spiel nicht durchgehen. Sagen Sie mit Klarheit:

„Ich nehme Sie ernst. Und genau deshalb spreche ich das an: Wer mit mir arbeitet, übernimmt Verantwortung. Wenn das noch nicht möglich ist, ist es vielleicht noch nicht der richtige Zeitpunkt.“

Oder – charmant, aber deutlich:

„Ich kann mit vielem arbeiten, aber nicht mit selbstgewählter Hilflosigkeit. Wollen Sie wirklich lernen, oder einfach nett aussteigen?“

Warum diese Klarheit der Beginn echter Autorität ist

Kundengespräche sind keine Bühne für Psychospiele, sondern der Ort, an dem Klarheit entsteht.

Und diese Klarheit beginnt bei Ihnen.

Je eher Sie Spielmuster erkennen, desto schneller können Sie entscheiden:
– Will dieser Mensch wirklich Hilfe?
– Oder will er sich nur durch mein Angebot bestätigen lassen, dass er ein unlösbares Problem hat?

Als Experte verkaufen Sie nicht nur Lösungen.

Sie verkaufen Verantwortung.

Wer nicht bereit ist, sie zu übernehmen, wird nie ein echter Kunde – egal wie günstig, wie freundlich oder wie geduldig Sie sind.

„Aber was, wenn der Kunde dann abspringt?“ – Die stille Angst hinter dem Schweigen

Vielleicht haben Sie sich beim Lesen gedacht:

„Ja, stimmt alles. Aber wenn ich so ehrlich bin, springen mir dann nicht die Kunden ab?“

Diese Frage ist menschlich. Und sie ist nachvollziehbar.

Doch sie ist auch die häufigste Falle für verantwortungsvolle Experten.
Denn sie führt zu einem fatalen Denkfehler:

Lieber einen schwierigen Kunden halten, als gar keinen haben.

Und dieser Gedanke ist teuer.
Nicht nur finanziell, sondern auch emotional. Denn er kostet Sie Klarheit, Energie und Respekt.

Und am Ende zahlen Sie mit Ihrer Identität als Experte.

Was also tun?

💡 Der einzige Weg: Stehenbleiben, wenn andere weglaufen.

Wenn jemand abspringt, weil Sie Grenzen setzen, weil Sie das Spiel nicht mitspielen, weil Sie Verantwortung einfordern, dann ist das kein Verlust.

Betrachten Sie es als eine Filterfunktion.

→ Nicht jeder, der Interesse zeigt, ist bereit.
→ Nicht jeder, der zahlt, will sich entwickeln.
→ Nicht jeder, der bleibt, ist gut für Ihre Arbeit.

Und das ist nicht nur ein Problem für den Kunden, sondern auch für Sie.

Denn wenn Sie Ihre Zeit mit Menschen verbringen, die sich nicht verändern wollen, passiert Folgendes:

→ Sie sammeln keine echten Erfolge, über die Sie sprechen können.
→ Ihre Arbeit bleibt im Ungefähren, weil nichts in Bewegung kommt.
→ Sie erleben keine Resonanz, keine Klarheit, keine Entwicklung.
→ Und irgendwann zweifeln Sie an sich selbst – nicht, weil Sie schlecht arbeiten, sondern weil Sie sich nie wirklich zeigen können.

Das ist der perfekte Nährboden für eine stille, lähmende Frage:

„Vielleicht bin ich einfach nicht so gut, wie ich dachte?“

Aber das stimmt nicht.
Sie sind nicht „nicht gut“.
Sie arbeiten nur unter Bedingungen, die kein Wachstum zulassen.

Ohne echte Bereitschaft auf der anderen Seite können Sie Ihre Expertise nicht sichtbar machen.
Weder in Fällen.
Noch in Worten.
Noch in Wirkung.

Sie wollen nicht einfach nur Kunden.
Sie wollen Veränderung begleiten. Mit Ihrer Expertise.
Sie wollen gesehen werden. Für Ihre hervorragende Leistung.
Und das geht nur mit Menschen, die sich wirklich verändern wollen.

💬 Was Sie sagen dürfen, wenn es wackelt:

„Ich sehe, dass es gerade schwierig ist, und das ist okay.
Aber ich arbeite nicht mit Menschen, die Verantwortung abgeben.
Wenn Sie soweit sind, melden Sie sich gern wieder. Ich bin für Sie da“

Das ist kein Rauswurf.
Das ist ein Angebot an die Selbstverantwortung des anderen.

Und genau das macht Sie glaubwürdig.

Fazit: Verkaufen heißt nicht, zu überreden, sondern Spiele zu beenden

Wenn jemand ständig „Ja, aber…“ sagt, verkaufen Sie diese Person nicht mehr.
Wenn jemand sich selbst als Opfer inszeniert – coachen Sie nicht mehr.
Wenn jemand sich dumm stellt – organisieren Sie nicht mehr.

Sie sind derjenige, der führt. Nicht der Kunde.
Sie setzen Klarheit vor Nettigkeit.
Verantwortung vor Harmonie.
Entscheidungsfähigkeit vor Zustimmung.

Das ist keine Härte, sondern Ihre Größe.

Lese-Tipp: Wer mehr über diese Spiele verstehen will…

…dem empfehle ich das Buch, das die Grundlage dieses Artikels bildet:

Eric Berne. Spiele der Erwachsenen: Psychologie der menschlichen Beziehungen.

Es ist kein trockenes Fachbuch, sondern ein faszinierender Blick auf unser Kommunikationsverhalten: klug, provozierend und überraschend aktuell

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Ob Sie Coach sind, Berater:in oder einfach jemand, der weniger Drama und mehr Klarheit in Gesprächen will – dieses Buch wird Ihre Sicht auf Gespräche verändern.

Worum geht es in Eric Bernes Buch und warum betrifft es auch Sie?

In „Spiele der Erwachsenen: Psychologie der menschlichen Beziehungen“ beschreibt der Psychiater Eric Berne, wie Menschen scheinbar harmlose Gespräche führen – die in Wahrheit Machtspiele, Selbstsabotage oder Ausweichstrategien sind. Er nennt das: psychologische Spiele.

Dabei geht es nicht um manipulatives Verhalten im bösen Sinne, sondern um eingespielte Rollen, die Menschen benutzen, um unangenehmen Gefühlen, Entscheidungen oder echter Nähe auszuweichen.

Berne entschlüsselt diese Muster mit einer bestechenden Klarheit.

Beispiele wie:

  • „Warum passiert das immer mir?“
  • „Ich will ja, aber …“
  • „Du bist schuld, dass ich das jetzt machen musste.“

…zeigen, wie tief diese Spiele in unseren Alltag eingewebt sind – ob in der Familie, in der Partnerschaft oder im Coaching-Gespräch.

Warum Sie dieses Buch lesen sollten:

Wenn Sie mit Menschen arbeiten – als Coach, Berater oder Dienstleister – dann werden Sie in diesem Buch Ihre Gesprächspartner wiedererkennen.

Und Sie lernen, sich nicht mehr in fremde Dramen hineinziehen zu lassen.

Kernsatz:

„Wer die Spiele erkennt, kann sie beenden und echte Verantwortung ermöglichen.“

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